Wiesbadener Wappen Schiersteiner Wappen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wiesbadener und Schiersteiner Wappen

Stadtteilgruppe
Wiesbaden-Schierstein

Orientierende Untersuchung von Sedimentproben

aus dem Bereich des Schiersteiner Hafens
23.10.2001

Die Untersuchung wurde im Auftrag des Umweltamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden erstellt vom Institut Fresenius in Taunusstein. Die Bodenproben wurden am 18.06.2001 und 03.07.2001 entnommen. Der Bericht mit den Ergebnissen trägt das Datum 23. Oktober 2001. Derjenige Teil, der dem Ortsbeirat davon zur Verfügung gestellt wurde, wird hier vollständig wiedergegeben.

Die unten stehenden Messwerte waren dann eine wichtige Grundlage der Magistratsvorlage 02-V-36-0014 zum Thema „Umwelttechnische Untersuchungen im Hafen“, die am 24.10.2002 im Schiersteiner Ortsbeirat behandelt wurde.

Schwermetalle

Probenahme-
punkte[1]
Probenahme
mittels
Kupfer Nickel Queck-
silber
Zink
[mg/kg]
SP 1 / 156-88 Sondierung 97 41 1,8 486
SP 1 / 200-156 Sondierung 4,9 9,3 u.d.B. 14
SP 5 Sedimentgreifer 219 60 2,8 863
SP 7 Sedimentgreifer 164 35 0,92 364
SP 8 / 135-70 Sondierung 164 35 0,92 364
SP 8 / 200-135 Sondierung 3,8 8,3 u.d.B. 12
SP 10 Sedimentgreifer 128 21 0,36 225
SP 12 Sedimentgreifer 52 28 0,43 242
SP 13 / 175-156 Sondierung 212 64 4,5 1225
SP 13 / 200-175 Sondierung 6,2 3 0,1 31
SP 17 / 200-162 Sondierung 12 9,1 u.d.B. 12
SP 18 / 200-110 Sondierung 4,4 7,7 u.d.B. 20
SP 19 Sedimentgreifer 34 14 0,64 199
SP 21 Sedimentgreifer 173 51 3,9 1492
SP 22 / 200-121 Sondierung 16 11 0,25 82
SP 23 Sedimentgreifer 124 42 1,6 588
SP 25 / 164-104 Sondierung 5 7,7 u.d.B. 18
SP 25 / 200-164 Sondierung 13 16 u.d.B. 17
SP 26 Sedimentgreifer 16 46 1,7 363
SP 28 Sedimentgreifer 74 54 1,1 377
SP 30 Sondierung 31 17 0,43 146

Erläuterungen:

  • u.d.B.: unter der Bestimmungsgrenze
  • Fettdruck: Überschreitung Prüfwert Gw-VwV[2] zu § 75 HWG[3]
  • Fettkursivdruck: Überschreitung Sanierungsschwellenwert Gw-VwV[2] zu § 75 HWG[3]

In den chemisch-analytisch Bodenproben wurden Schwermetall-Konzentrationen festgestellt, die z. T. den entsprechenden Prüf- und Sanierungsschwellenwert des Änderungsentwurfs der Gw-VwV deutlich überschreiten. Im Bereich der Proben SP 1, SP 8 und SP 13 ist durch die tiefenorientierte Probenahme eine vertikale Abgrenzung erfolgt.

Lediglich im Bereich der Untersuchungspunkte SP 17, SP 18, SP 22 und SP 25 wurden Schwermetallgehalte unterhalb des Prüfwertes der Gw-VwV ermittelt.

Die Untersuchung ergab, dass in den oberflächennahen Sedimenten z. T. deutlich erhöhte Schwermetallgehalte vorliegen, die, soweit dies analytisch nachweisbar, zur Tiefe hin abnehmen. In diesen Bereichen ist zumindest eine umweltrelevante Gefährdung für die aquatischen Lebensformen nicht auszuschließen.

Organozinnverbindungen

Probenahme-
punkte[1]
Probenahme
mittels
Organozinnverbindungen
MBT[4] DBT[5] TBT[6] TTBT[7] MOT[8] DOT[9] TCYT[10] TPHT[11]
[μg/kg]
SP 1 / 156-88 Sondierung n.n. n.n. 8 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 2 Sedimentgreifer 12 u.d.B. 390 n.n. u.d.B. u.d.B. n.n. n.b.
SP 5 Sedimentgreifer n.n. n.n. 310 n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.b.
SP 7 Sedimentgreifer 6 60 460 n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.b.
SP 8 / 135-70 Sondierung 6 33 66 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 8 / 200-135 Sondierung u.d.B. u.d.B. u.d.B. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 10 Sedimentgreifer 5 25 130 n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.b.
SP 12 Sedimentgreifer n.n. 9 24 n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.b.
SP 13 / 175-156 Sondierung 5 n.n. 32 u.d.B. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 13 / 200-175 Sondierung n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 17 Sondierung n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.b.
SP 18 Sondierung n.n. n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.n. n.n. n.b.
SP 21 Sedimentgreifer n.n. n.n. 32 u.d.B. n.n. n.n. n.n. n.b.
SP 22 Sondierung u.d.B. 16 18 n.n. n.n. n.n. n.n. n.b.
SP 23 Sedimentgreifer 19 92 340 n.n. u.d.B. u.d.B. n.n. n.b.
SP 25 / 164-104 Sondierung n.n. n.n. u.d.B. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 25 / 200-164 Sondierung n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.
SP 26 Sedimentgreifer n.n. n.n. 5 n.n. n.n. n.n. n.n. n.b.
SP 30 Sondierung n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. n.n.

Erläuterungen:

  • u.d.B.: unter der Bestimmungsgrenze
  • n.n.: nicht nachgewiesen
  • n.b.: nicht bestimmt

Die Untersuchung ausgewählter Sedimentproben wies bis auf vier Proben Organozinnverbindungen nach. Hauptbelastungskomponente ist das bei den Schiffsanstrichen verwendete Tributylzinn (TBT). In einigen Proben wurden Monobutylzinn (MBT) und Dibutylzinn (DBT) festgestellt. Die Gehalte der übrigen Einzelstoffparameter lagen unter der chemisch-analytischen Bestimmungsgrenze bzw. waren nicht nachweisbar.

Vor allem in den Sedimentgreiferproben wurden erhöhte Gehalte an Tributylzinn nachgewiesen. Die im Liegenden der erhöhten Organozinnverbindungen analysierten Bodenproben wiesen geringere Konzentrationen an Organozinnverbindungen bzw. Gehalte unter den Bestimmungsgrenzen auf. Die ermittelten Gehalte für Tributylzinn lagen zwischen 8 und 460 μg/kg, die für Monobutylzinn zwischen 5 und 19 μg/kg und die für Dibutylzinn zwischen 9 und 92 μg/kg. Die in der Literatur angegebenen Größenordnungen für TBT um bzw. über 1000 μg/kg in Sedimenten der Sportsboothäfen in hessischen Binnengewässern oder in den Flusssedimenten der Elbe und der Mulde von 1000 bis 5000 μg/kg (ARGE Elbe) wurden im Bereich des Schiersteiner Hafens nicht erreicht.

Im Schiersteiner Hafen zeigte sich, dass die im Liegenden vereinzelt angetroffenen Sand- und Kiesschichten geringere Schadstoffkonzentrationen führen, da die Organozinnverbindungen vorwiegend an der Feinsubstanz (siehe Sedimentgreiferproben) sorbiert werden.

Generell kann unter Zugrundelegen der vorliegenden Untersuchungsergebnisse sowie der oben genannten Beurteilungskriterien (Organozinnverbindungen sind hoch giftig, hautresorptiv und werden über die Nahrungskette aufgenommen) eine unmittelbare Gefährdung für die aquatischen Lebensformen nicht ausgeschlossen werden.

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Probenahme-
punkte[1]
Probenahme
mittels
Summe der 6-DIN-PCB
[mg/kg]
SP 1 / 156-88 Sondierung 0
SP 12 Sedimentgreifer 0,058
SP 13 / 175-156 Sondierung 0
SP 13 / 200-175 Sondierung 0
SP 17 Sedimentgreifer n.b.

Erläuterungen:

  • n.b.: nicht bestimmt

Anmerkungen

[1] Lageplan mit Probenahmepunkten

Die Abkürzung SP in der zugehörigen Spalte bedeutet Sondierungspunkt, der mit seiner anschließenden Nummer auf der unten abgebildeten Karte zu finden sein sollte. Die zusätzliche optionale Angabe hinter dem Schrägstrich beschreibt die Tiefenlage im Hafenuntergrund, aus der die Bodenprobe gewonnen wurde. Bei SP 1 wurde beispielsweise eine Mischprobe aus der Sondiertiefe zwischen 156 und 88 cm erzeugt und analysiert.
Lageplan mit Probenahmepunkten
[2] Verwaltungsvorschrift zum Hessischen Wassergesetz, inzwischen durch die GWS-VwV ersetzt
[3] Hessisches Wassergesetz
[4] Monobutylzinn
[5] Dibutylzinn
[6] Tributylzinn
[7] Tetrabutylzinn
[8] Monooctylzinn
[9] Dioctylzinn
[10] Tricyclohexylzinn
[11] Triphenylzinn


Erstellt: 16.12.2017, letzte Änderung: 27.12.2017, Autor: W.Richters, © 2000